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Collegium Hungaricum Berlin (Magyar Ház)

Ata Kandó (1913-)

Határok
Megtekinthető: 2006. 09. 12. - 10. 05.

 

Ata Kando (1913)

Grenzen






Die Jahrestage der Revolution von 1956 bieten die Gelegenheit, Werke von Künstlern zu präsentieren, die das Geschehen vor 50 Jahren dokumentieren. Ihre persönlichen Lebenswege wiederum erlauben es uns, die Ereignisse aus einer neuen Perspektive kennen zu lernen und neu über sie nachzudenken.

Die Fotografinnen Ata Kandó aus Ungarn und Violette Cornelius aus den Niederlanden sind bei der Nachricht von der Niederschlagung der 1956er Revolution sofort in Richtung Österreich aufgebrochen. Sie haben in den grenznahen Kleinstädten in der Nähe von Wien die ungarischen Flüchtlinge – in erster Linie Kinder – fotografiert.

Bereits Weihnachten 1956 erschien das Album, die Künstlerinnen haben den gesamten Gewinn für die ungarischen Flüchtlingskinder gespendet. Das berühmte titellose „ROTE BUCH” – benannt nach der Farbe des Umschlags – war in kürzester Zeit ausverkauft und die damals riesige Summe von einer Viertelmillion Dollar erreichte so die Bedürftigen.

Ata Kandó wurde in Ungarn unter den Namen Etelka Görög geboren. Da sie ihren Namen nicht aussprechen konnte, ließ sie sich Ata nennen. Dank der liberalen Erziehungsmethoden ihrer Mutter konnte sie den Namen bis heute behalten. Kandó ist der Name ihres ersten Mannes.

Ihre Persönlichkeit wurde stark von ihrem familiären Hintergrund geprägt, von der unglaublichen Offenheit ihrer Eltern, von deren Vitalität und Intellekt. Ihr Vater, der Gymnasiallehrer Imre Görörg, hat klassische russische Literatur übersetzt, Ihre Mutter Margit Beke hat große Verdienste in der Übertragung skandinavischer Literatur ins Ungarische erworben.

Ata Kandó hat in vielen Ländern gelebt, jahrelang in Frankreich, Holland, Amerika und Großbritannien. Zurzeit wohnt sie in Bergen in der Nähe von Amsterdam.

Sie hat bei Klara Wacter Fotografie studiert, so kam sie in Kontakt mit weltbekannten Künstlern ihrer Zeit: mit Mariann Reismann, Ferenc Haár, József Pécsi und später auch mit Robert Capa.

Gleich, ob sie in Ungarn, Frankreich, Holland oder wo auch immer auf der Welt lebte, ob sie das Ende der Revolution von 1956 fotografierte oder in Süd-Amerika die Piaroa-Indianer, ob sie als Modefotografin oder als Lehrerin arbeitete oder an der Akademie lehrte – sie hat immer die Einfachheit und die Reinheit menschlicher Gefühle aufgezeigt.

Ihre gefundene Freiheit und die ihr innewohnende Liebe gepaart mit Offenheit und Neugier haben ihr erlaubt, an allen Breitengraden das fortzusetzen, was sie anderswo angefangen hat.

Die Originale der hier ausgestellten Digitaldrucke sind in Besitz von Ata Kandó und des Magyar Fotográfiai Múzeum, des Ungarischen Fotografischen Museums.




Ata Kando hat in der Zeit etwas geschafft, was nur wenige Fotografen schaffen.
Sie hat der Trauer und dem Schmerz ein Bild gegeben, sie hat ihr einen Ausdruck verliehen. Welcher Schmerz das ist, beurteilen Sie als Betrachter alleine.

Sie hat es außerdem geschafft eine zutiefst traumatisierte Gesellschaft in Europa zu bewegen Geld zu schenken, in einer Zeit wo man selbst keines hatte aber die Erfahrung von Flucht und Einsamkeit selber gemacht hatte.

Ich hoffe, Ihnen allen werden die Bilder von Ata Kando in Erinnerung bleiben als eine Erzählung einer Frau, welche ein Ereignis fotografiert hat, gesehen durch Ihre Subjektivität.
Ata Kando steht da in einer Reihe einer großen Zahl von ungarischen Fotografen, welche engagiert in die Welt gegangen sind um sich ein Bild von dieser Welt zu machen.
Sehe ich mir die Bilder von Kertesz, Capa, Brassai, Munkaszi an, so ist vieles erzählt von dem Verlust und dieser für mich oft nicht nachvollziehbaren Traurigkeit.
Ich hoffe sehr, dass all diese Bilder bewahrt werden, einerseits physisch als ein Archiv und emotional im Herzen der Ungarn. Es sind bedeutende Dokumente und ein persönlicher Ausdruck einer Protagonisten Ihrer Zeit.
Diese Bilder von Ata Kando können Ihnen genau soviel über die Person Ata Kando erzählen wie sie in gleichem Masse etwas über die Ereignisse jener Zeit erzählen. Es sind Dokumente einer zutiefst verunsicherten Zeit.
Ich wünsche Ihnen viel Freude in der Betrachtung dieser Bilder.
Vielen Dank.

Jörn Vanhöfen
(Fotograf)

 

 

 

 

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